Seit 150 Jahren ist der Paragraf 218 Teil des Strafgesetzbuches. Seit 150 Jahren werden ungewollt Schwangere für den Abbruch einer Schwangerschaft beschämt, stigmatisiert und bestraft. Das finden wir inakzeptabel und wollen deswegen das Jahr 2021 zum Kampagnenjahr für einen freien, sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch erklären. Genug ist genug – der Paragraf 218 muss endlich raus aus dem Strafgesetzbuch! Wir wollen ein selbstbestimmtes Leben ohne Bevormundung.

Wir sammeln Erfahrungsberichte von Menschen, die bereits einen oder mehrere Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland haben durchführen lassen. Diese Geschichten wollen wir im Rahmen unserer Kampagne im Laufe des Jahres 2021 veröffentlichen. Denn ein Erfahrungsaustausch ist der beste Weg, um Tabus und Stigmata zu brechen. Denn Du bist nicht allein! Jede vierte Frau in Deutschland hatte schon einmal einen Abbruch. Lasst uns gemeinsam das Schweigen brechen! Hier lest Ihr ihre Geschichten.

Erzähl uns Deine Geschichte und teile anderen mit, was Du erlebt hast. Egal ob Du erleichtert oder traurig warst, oder gar nichts empfunden hast: jede Geschichte ist wichtig und wir sind sehr dankbar für jeden einzelnen mutigen Bericht. Wir werden die Geschichten je nach Wunsch natürlich auch 100% anonym veröffentlichen. Schick uns Deinen Bericht mit Angabe von Namen, Alter, Stadt an meinabbruch@sexuelle-selbstbestimmung.de . Dein Text sollte ca. eine  halbe DIN A4 Seite lang sein. 

Wir sammeln: 

  • schriftliche Erfahrungsberichte von gewollt und ungewollt Schwangeren – cis, trans und nichtbinären Personen – die sich entschieden haben, die Schwangerschaft  abzubrechen
  • Abtreibungsgeschichten von euren Müttern, Tanten und Großmüttern – ihr werdet vielleicht überrascht sein, welche Geschichten sich in eurer eigenen Familie schon ereignet haben
  • Geschichten von Menschen, die ihre Meinung über Abbrüche geändert haben
  • gerne auch als kurze Videobotschaften oder mit einem Foto von Euch 

Wenn Du bereit wärst, Deine Geschichte in besonderer Form (als Video, im Interview, mit Foto für Instagram) zu erzählen, teile uns das gerne kurz in Deiner Mail mit, damit wir Dich gegebenenfalls dafür kontaktieren können.

Fällt es Dir schwer, anzufangen? Du musst nicht alles erzählen. Fange klein an. Vielleicht sprichst Du auch erstmal mit eine*r vertrauten Person darüber oder liest Dir Geschichten von anderen Menschen durch, die einen Abbruch hatten. Sei Dir sicher: Du bist nicht allein!

Wir bedanken uns schon im Voraus für Eure Geschichte und Euer Vertrauen! Denkt daran, dass alle Geschichten wichtig und hörenswert sind.

Du bist nicht allein – Anonym

Mit 18 Jahren habe ich abgetrieben. Seit 1 1⁄2 Jahren habe ich mit der Spirale verhütet. Der Schock und die Angst waren groß. Mein Partner und ich haben uns dazu entschieden abzutreiben. Wie genau ein Schwangerschaftsabbruch abläuft, wusste ich nicht. Meine Frauenärztin klärte mich auf. Die Notwendigkeiten eines Beratungsgespräches und drei Tage „Bedenkzeit“ waren mir nicht bewusst. Durch die gesetzlich vorgeschriebene „Bedenkzeit“ war ich eine ganze Woche länger schwanger als nötig. Ich hoffe, das klingt nicht kalt, aber durch die „Bedenkzeit“ hat sich der Termin bei meiner Frauenärztin nach hinten verschoben, da sie immer in die Klinik am Freitag geht und ich einen Termin bei der Beratung erst mittwochs bekommen habe, und so durch die drei Tage „Bedenkzeit“ nicht in derselben Woche abtreiben konnte.

Die Emotionen, die ich in dieser Woche erleben musste, haben mich mehr belastet als die Abtreibung an sich. Es hat etwas Zeit gebraucht, bis ich gemerkt habe, dass mir durch diese „Bedenkzeit“ eigentlich suggeriert wurde, ich, als schwangere Frau, könne keine Entscheidungen treffen. Das macht mich im Nachhinein sehr traurig und wütend. Ich bereue es nicht, abgetrieben zu haben und dafür muss ich mich nicht rechtfertigen, jedoch habe ich auch Gefühle für das Wesen im mir entwickelt, und so tat die Entscheidung letztendlich auch weh (auch für die Gefühle für das Wesen und meine Entscheidung muss ich mich nicht rechtfertigen). Dennoch bin ich dankbar, dass ich in der Lage war abzutreiben! Und die Gesetze (entschuldigt meine Ausdrucksweise) kotzen mich an!

Anfangs habe ich mich geschämt und ich kam mir dumm vor, doch durch die Unterstützung und durch das Reden über meine Schwangerschaft mit anderen habe ich gemerkt, dass es viele Frauen* gibt, die bereits abgetrieben haben. Auf einmal erzählte mir meine Mutter von Freundinnen* und Töchtern* die abgetrieben haben und auch Frauen* in meinem Bekanntenkreis haben sich mir gegenüber geöffnet und mir von ihrem Abbruch erzählt. Mir wurde klar, ich bin nicht alleine. Ich hoffe aus dieser Aktion ziehen schwanger Frauen* genau das: du bist nicht alleine!

Trauer und Schmerz können dazu gehören – Nicola (24), Hamburg

Die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch war die bisher Schwerste in meinem Leben. Trotz – laut den Ärzt:innen „perfekt liegender“ – Kupfer-Spirale blickte ich vor ziemlich genau einem Jahr auf einen positiven Schwangerschaftstest. Ich hatte mich zwei Tage zuvor von meinem Partner getrennt und für mich war sehr schnell klar, dass ich diese Entscheidung allein treffen musste. Denn ich hatte Angst, dass mein Ex-Freund mich zu einer gemeinsamen Zukunft mit Kind überreden könnte.

Ich war immer fest davon ausgegangen, dass wenn ich in so eine Situation kommen würde, mir die Entscheidung für eine Abtreibung nicht schwer fallen würde. Denn eines dachte ich genau zu wissen; ich wollte noch keine Kinder. Doch als ich auf den positiven Schwangerschaftstest blickte, wusste ich gar nichts mehr…Trauer und Schmerz können zu einer Abtreibung gehören. Zu viele überflutende Emotionen, zu viele fremde Meinungen und vor allem ein Gefühl von Ohnmacht und Einsamkeit, denn letztlich musste ich die Verantwortung für mein Handeln und die Last der Entscheidung allein auf meinen Schultern tragen. Ich bin froh über meine Entscheidung und stolz auf den Weg, den ich gegangen bin.

Doch möchte ich eines klarstellen. Gute Entscheidungen müssen sich nicht immer und zu jeder Zeit gut anfühlen. Ich habe gelitten. Ich habe getrauert – und tue es noch und dennoch habe ich meine Entscheidung an keinem der vergangenen 365 Tagen bereut. Trauer und Schmerz können zu einer Abtreibung gehören und das ist vollkommen menschlich. Wichtig ist es diesen Gefühlen einen Raum und ihre Daseinsberechtigung zu geben. Sie müssen kein Indiz für eine vermeintliche Fehlentscheidung sein! Es können widersprüchliche Gefühle in uns existieren, auch wenn es kognitiv schwer ist dies nachzuvollziehen, ist es auf emotionaler Ebene nichts Ungewöhnliches. Der Leitsatz „Entscheidungen müssen sich gut anfühlen“ trifft vielleicht auf den Kauf von einem neuen Paar Schuhe zu, doch im Zusammenhang zukunftsentscheidender Fragen scheint dieser Rat der Komplexität einer solchen Situationen wohl kaum angemessen zu sein.

Ich hatte das Gefühl, ein schlechter Mensch zu sein – Clara (25) Kassel

Ich bin letztes Jahr im September ungewollt schwanger geworden, nachdem ich die Pille im März aufgrund bekannter Nachteile abgesetzt habe. Ich habe es in der fünften Woche gemerkt und bin dann Anfang Oktober zu meiner Gynäkologin gegangen, die mir natürlich zunächst gratuliert hat, aber der ich dann sehr schnell erklärt habe, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich die Schwangerschaft fortsetzen möchte. Ihre Lösung: Wir sind ja recht früh dran, wieso warten wir nicht 2 Wochen und schauen, ob sich alles entwickelt, wie es sich normalerweise entwickeln soll oder ob mir die Entscheidung nicht sogar abgenommen wird. Mit dem Deal war ich zunächst zufrieden, da ich mir sehr unsicher war. Ich wusste, für uns ist gerade nicht der richtige Zeitpunkt, ein Kind zu bekommen. Zwar stehe ich kurz vor dem Ende meines Studiums, die Geburt würde aber direkt vor die Prüfungen fallen. Zwar leben wir nicht an der Armutsgrenze, aber wir haben bisher auch nur Studierendenjobs. Zwar habe ich einen festen Partner, mit dem ich mir mein Leben vorstellen kann, aber wir stehen beide noch am Ende unserer Ausbildung, er noch mittendrin.

Es folgten zwei Wochen der Unsicherheit, Übelkeit, Traurigkeit und des Schauspielerns, da ich es nicht fertig brachte, mit Freunden oder Familie darüber zu reden – eventuell klärt es sich ja sowieso von selbst. Und tatsächlich: Nachdem sich der Fötus auf dem Ultraschall nicht so entwickelte, wie es sollte, wurde mir zweimal Blut abgenommen. Diagnose: missed abortion. Im ersten Moment war ich geschockt: „Habe ich was falsch gemacht? Stimmt etwas nicht mit mir?“ Doch nach und nach stellte sich die Erleichterung ein. Es sollte wohl nicht sein. Der Termin zum Beratungsgespräch wurde abgesagt. Vier Tage später hatte ich den Termin zur Absaugung der „Reste“. Natürlich war ich aufgeregt aber auch erleichtert, dass ein paar Stunden später alles vorbei sein wird. Ich wurde also unter Narkose gesetzt und gefühlt wenige Sekunden später wieder durch eine freudig strahlende Ärztin aufgeweckt: Glückwunsch! Dem Fötus geht es prima, sie haben keinen Eingriff gemacht! Ich begann sofort zu weinen. Nach und nach kam verschiedenes Personal, das mir gratulierte. Das musste ich erstmal zwei Tage sacken lassen. Meine Gynäkologin fiel hinterher aus allen Wolken und entschuldige sich natürlich, was mir jedoch leider nicht bei meinem Gefühlschaos half. Nun also doch: Aufklärungsgespräch, Kostenübernahme, neuen Termin in der Tagesklinik organisieren. Ich dachte: Meine Reaktionen bei den jeweiligen Diagnosen waren ja total eindeutig (Schwangerschaft: oh nein; Fehlgeburt: Puuh; DOCH Schwangerschaft: oh nein…), damit muss ich wohl auf einen Abbruch hinarbeiten… Endlich sprach ich mit zwei Freundinnen über die Geschehnisse, habe mich aber durch das auf und ab, das Warten, den Terminen, die aufgrund Corona alle nur allein wahrgenommen werden durften, sehr eingeigelt. „Wir schaffen das schon allein…“. Ich wollte vor den beiden Freundinnen stark sein, es gleichzeitig nicht meiner Familie erzählen. Je mehr Leute es wissen, desto präsenter ist es ja schließlich. 

So habe ich am Ende in der neunten Woche in einer anderen Tagesklinik den Abbruch durchführen lassen: „Das nächste Mal passen Sie aber besser auf…“. Mir ging es danach sehr schlecht. Hatte das Gefühl, ein schlechter Mensch zu sein: Wieso nehme ich mir das Recht, aber andere Personen dem Kinde zu liebe nicht, obwohl sie „schwierigere“ Voraussetzungen haben? Ich war mir sicher, dass das emotionale auf und ab mir mich in meiner Entscheidung beeinflusst hat, dass ich mich eventuell anders entschieden hätte, wenn ich direkt zu Beginn der Schwangerschaft mit meinen dortigen Gedanken das Beratungsgespräch geführt hätte. Bis ich -endlich- mit meiner Schwester, ebenfalls überzeugte Feministin, darüber gesprochen habe. Ich dachte mir: Wenn sie oder Freundinnen in solch einer Lage sind, möchte ich auch, dass sie Wissen, dass sie mit mir darüber sprechen können. Sie und auch andere Personen, die ich später einbezogen habe, waren stolz auf mich. Meine Schwester half mir, nicht die ganze Zeit von dem, wie ich es in der Trauer tat, Kind zu reden, an das Kind zu denken, sondern an mich zu denken, von mir zu reden.

Obwohl ich mich selbst als Feministin sehe, welche sich für eine Legalisierung und gegen eine Tabuisierung von Schwangerschaftsabbrüchen ausspricht, war ich in meiner eigenen Geschichte leider nicht so mutig, wie gedacht. Umso glücklicher bin ich, dass ich es dann doch geschafft habe, mich zu öffnen. Natürlich geht mein Schwangerschaftsabbruch nicht jeden etwas an, aber es ist wichtig, zu zeigen, dass auch solche Entscheidungen zum Leben dazu gehören und das man damit nicht allein ist. Die Abschaffung des §218 wäre ein Beginn, um dieser Tabuisierung und Stigmatisierung entgegenzuwirken und allen Personen, die in dieser oder ähnlicher Lage SIND und WAREN zu zeigen, dass sie sich nicht schämen brauchen.

Ein Schwangerschaftsabbruch ist keine schöne Erfahrung – Silke, Duisburg

Mein Schwangerschaftsabbruch liegt inzwischen 16 Jahre zurück. Ich war bereits Mutter einer gesunden Tochter, die damals drei Jahre alt war. Nachdem in der zehnten Schwangerschaftswoche bei einer Ultraschalluntersuchung eine „erhöhte Nackentransparenz“ gesehen wurde, schickte mich meine Frauenärztin ins Krankenhaus zur Amniozentese.

Diese ergab den Befund Trisomie 18, eine genetische Veränderung, die Organfehlentwicklungen der lebenswichtigen Organe wie Herz, Nieren, Gehirn usw. verursacht. Welche Organe und in welchem Ausmaß die Schäden sein werden, konnte man uns nicht sagen. Es stand aber wohl fest, dass dieses Kind keine Chance auf ein (Über-) leben hat. Es würde entweder zu einer Totgeburt kommen, also das Kind würde bereits im Uterus versterben oder in den ersten Wochen, vielleicht Monate nach der Geburt. Es gab also keine Chance. Wir waren schockiert und ratlos. Und es wurde relativ schnell klar, dass ich es meiner Familie nicht zumuten wollte, insbesondere nicht meiner dreijährigen Tochter und mir, ein Baby zur Welt zu bringen und zu begrüßen und es dann sterben zu sehen. Die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch stand fest. Dieser wurde in einem Krankenhaus durchgeführt. Auch haben wir  eine humangenetische Beratung in Anspruch genommen, um uns umfassend zu informieren. Ich habe mich in jeder Situation gut aufgehoben gefühlt, von meiner Gynäkologin über die Ärztin, die die Amniozentese durchgeführt hat bis zu den Ärzten in der Klinik während des Abbruchs. Für all diese Möglichkeiten in diesem Land bin ich dankbar! Ein Schwangerschaftsabbruch ist definitiv keine schöne Erfahrung, aber manchmal im Leben die richtige Entscheidung!

Er meinte, ich solle mich freuen – Elisabeth (32) Bremen

Erst habe ich gedacht, ich muss am Anfang beginnen. Aber was soll das sein, der Anfang? Das Kennenlernen? Die Geburt unserer Tochter? Nein, der Moment, der mich hat spüren lassen, dass ich nun mitten in einer Familie stecke, die ich selbst mitgestaltet habe, war kein klassisch romantischer Augenblick. Vielmehr war es eine Überraschung, die sich wie Treibsand anfühlte. Und es war vielleicht einer der ironischsten Momente, den das Leben bis dahin für mich bereit hielt. Ich stand morgens im Bad, noch in Schlafsachen und hielt das berühmte Stäbchen in der Hand. Das mit den Strichen. Ich hatte ein paar Tage vorher ein komisches Gefühl und besorgte es mir in der Drogerie, natürlich mit der Überlegung, dass das jetzt rausgeschmissenes Geld ist. Zurück ins Bad: Unten quasselte fröhlich meine Tochter beim Frühstück mit meinem Freund, ich wusch mein Gesicht und schaute nebenbei drauf: NEIN. Das kann nicht sein. Ich kann nicht einfach so schwanger werden. Nein. Ich kann gar nicht zählen, wie oft das Wort Nein in fetten Buchstaben vor meinem inneren Auge vorbeiflog, sich überschlug und mir auch immer wieder über die Lippen kam. Ich rannte die Treppen runter, riss die Tür ins Esszimmer auf und zeigte ihm das Stäbchen. Und es war nicht nur die Ironie der Situation – denn wir haben unsere erste Tochter nur mit Hilfe von Hormonspritzen in meinen Körper bekommen – sondern auch die pure Freude, die ihn zum Lachen brachte. Er lachte, ich weinte. So saßen wir da und es dauerte einige lange Momente, bis wir verstanden, was hier eigentlich los war: Unsere Gefühle verzweigten sich und gingen absolut konträre Wege. Ich glaube, das war für uns beide rückblickend das erste Mal, dass Universen zwischen unseren Empfindungen lagen und wir spürten, dass uns diese Frage durchrütteln wird. Um genau zu sein, war es für uns zwei keine Frage, es wurde erst im Gespräch zu einer. Denn ich hatte keine Frage, ich hatte nur die Antwort: Nein. Und seine war ein inneres großes, deutliches Ja. Man könnte meinen, dass sich die Frage nach einem Schwangerschaftsabbruch stellt, wenn man als Teenie schwanger wird, schon fünf Kinder hat, oder man den Erzeuger nicht kennt und allein mit dem Kind wäre. Aber als wir in dieser Situation steckten, wurde mir erst klar, dass wohl ein großer Teil der Frauen oder Paare nicht in einer äußeren Notsituation ist, sondern in einer inneren. Das macht den Vorgang und alle Gedankengänge die damit zusammenhängen fast noch schwieriger, denn „es geht ja alles“. Da ist eine sichere Wohnsituation, ein Mensch, mit dem ich mir zweifelsohne vorstellen konnte, irgendwann die Gebisse nebeneinander ins Glas zu legen und ein unterstützender Familien- und Freundeskreis. Aber das alles spielt manchmal keine Rolle. Ich habe mich selten so deutlich als Persönlichkeit mit meinen ganz eigenen unumgänglichen Gefühlen und Bedürfnissen gespürt wie in diesem Moment und den zähen Wochen danach. Und es steckte auch ein gewisser Zauber darin. Es war auf einmal nur ich, nur meine Person, die es lange vor der Familie gab, auf die ich mich konzentrieren musste. Ich war mir mit all der Angst und Trauer in jedem Moment ganz, ganz nah. Ich habe mich kraftlos und gleichzeitig grenzenlos stark gefühlt, absurderweise so ähnlich wie während und nach der Geburt meiner Tochter.

Zeitsprung zurück: Oktober 2017. Unsere Tochter war gerade 6 Wochen alt, als ich nachts in mein Handy schrieb: „Ich wollte nie sauer sein auf dich. Nicht wegen eines Geschöpfs, was wir selbst haben entstehen lassen, weil wir uns so mögen und respektieren. Welche Gedankengänge sind nötig, obwohl wir so auf Augenhöhe gelebt haben? Wie wenig kannst du dafür. Wie wenig kann ich dafür. Wie wenig kann das Baby dafür. Vom sozialen Wiesel, viel arbeitenden wissbegierigen Wesen, wird man katapultiert in die Einsamkeit einer steinzeitlichen Höhle. Nur Platon findet man da nicht.“ Dieses Gefühl, sei es auch nur eine Momentaufnahme, schob sich im ersten Jahr immer wieder zwischen mich und das Leben mit Kind. Wir haben mittlerweile ein manchmal kommunikationsaufwendiges aber emotional befriedigendes 50% – 50% Modell etabliert. Und dennoch, dieses Gefühl der absoluten Einsamkeit, dass man mit einem Baby haben kann, überfiel mich auch, als ich daran dachte, wie das wohl in meiner Situation aussehen würde: Gerade in die Selbstständigkeit gegangen. Errechneter Termin des freudestrahlenden Arztes, der in seiner Babywut nicht einmal spürte, dass ich gelinde gesagt ambivalente Gefühle dieser zweiten Schwangerschaft gegenüber habe, war der 11.11. – Novemberblues, eine Zweijährige mit Trotzanfällen, ein Baby, das gestillt werden möchte und ein Freund, der, weil er auch selbstständig ist, in jedem Fall das Geld zum fließen bringen muss. Versorgen, füttern, windeln, nicht duschen, mit dem Baby sprechen, Sorgen: Isst es genug? Ist es nicht zu klein? Zu leicht? Nein, Mama kann dich nicht auch wieder stillen, du bist zwei! Dass diese Gedankengänge auch komplett andere sein können, die sich nach Wärme und goldenem Licht anfühlen – geschenkt. Denn das waren sie bei mir nicht. Ich lernte gerade erst, was Mutterschaft für mich bedeutet. Für andere sind zwei Jahre ein wünschenswerter kleiner, aber guter Altersabstand. Deswegen gibt es bis heute noch Freund*innen, vor denen ich nicht aussprechen kann, dass ich mich gegen dieses Kind, was vor 18 Tagen hätten geboren werden sollen, entschieden habe.

Nach dem ersten Besuch beim Gynäkologen musste ich den Arzt wechseln. Ich hatte bei ihm nicht den geringsten Raum, zu sagen was mit mir los war. Stattdessen, meinte er, ich solle mich freuen. Meine Schwangerschaft sei aufgrund meiner Vorerkrankung ein biologisches Wunder und man wüsste ja nie, wegen des Alters und so – also dann eben jetzt! Daher ging ich zu meiner Gynäkologinnen-Freundin, die passenderweise mit dem zweiten Kind schwanger war und ließ mich im Krankenhaus von ihr untersuchen. Irgendwie baut man sich den Weg dann selbst hin zu einer seriös getroffenen Entscheidung. Ich sah diesen Punkt auf dem Ultraschallbild und es war okay. Es war noch sehr früh. In der ersten Schwangerschaft gab es keine Untersuchung, die ich allein bestritt. Bis hin zur Geburt waren wir zu zweit. Mein Freund war gefühlt sogar noch mein Geburtshelfer. Dieses Mal war ich allein. Natürlich gibt es da Menschen, aber niemand begleitet dich so einfühlsam fragend und engmaschig wie bei einer Schwangerschaft, die auf eine Geburt hinausläuft. Die Beraterin bei Pro Familia war rückblickend für mich die wichtigste Person im gesamten Prozess. Sie nahm meine Not, meine Sorgen und meine Verneinung ernst und versuchte meinem Freund die inneren Bilder zu vermitteln, die sich in mir ausbreiteten und mich zu der Entscheidung brachten, die Schwangerschaft abzubrechen. Ich telefonierte Ärzt*innen durch. Allein. Und da ja auf keiner Internetseiten steht, ob der Eingriff in der jeweiligen Praxis durchgeführt wird, muss man natürlich lauter einzelne Gespräch mit Sprechstundenhilfen führen, die mal freundlich, mal abweisend reagieren. „Hallo, mein Name ist … ich wollte fragen, ob Sie noch Termine frei haben. Ich bin schwanger und….“ Sprechstundenhilfe: „Herzlichen Glückwunsch, ja gern…“ Ich merke schon, dass sie glaubt, ich käme zur Vorsorge. Ich, weiter: „Nein, ich glaube, ich möchte die Schwangerschaft abbrechen.“ Sprechstundenhilfe unterbricht: “Wir haben allgemein keine Termine mehr frei.“

Ich entschied mich, keine weiteren Praxen abzuklappern und machte den Termin für den Abbruch in der Tagesklinik von profamilia. Mein Freund begleitet mich wortlos. „Wie kam ich nur auf die Idee, ihn mitzunehmen?“ denke ich im Bus. Er wollte, aber es fühlt sich nicht gut an. Nicht weil er ein Mann ist, sondern weil er mir das Gefühl gab, dass ich ihm etwas wegnehme. Und das tat ich ja tatsächlich. Ich hatte Sehnsucht nach einer Person, die in diesem Moment nur mich sieht. Auch wenn sich dieser Gedanke ihm gegenüber ungerecht anfühlt. Die fremde Gynäkologin und die fremde Anästhesistin waren mir Lichtjahre näher, als mein eigener Freund. Erst nach dem Eingriff erfahre ich, dass er jeden Moment und mit großer Sicherheit damit gerechnet hat, dass ich alles abblase und mit ihm heim fahre. Die Narkose wirkt sehr schnell. Nach 15 Minuten wache ich in einem Raum mit fünf oder sechs Betten wieder auf. Neben mir völlig unterschiedliche Frauen, die gerade den selben Eingriff hinter sich gebracht haben. Einige weinen stumm, andere redeten leise miteinander. Es ging nicht um Reue, es ging um die Trauer. Denn die darf man haben. Sie wird einer Person nach einem Schwangerschaftsabbruch nur oft aberkannt, weil „sie es ja so wollte“. Wer da neben mir lag, war eine fünffache Mutter auf der einen und eine sehr junge Frau auf der anderen Seite. Und ich mit meinem Luxusproblem dazwischen. Doch mittlerweile weiß ich: Das war kein Luxus. Es ist ganz einfach Selbstbestimmung – ganz egal, was die Lebensumstände sind. Ich bedankte mich übertrieben bei allen Mitarbeiterinnen. Die Narkose übertreibt dieses Gefühl der Dankbarkeit, welches ich aber tatsächlich stark spürte. Ich fühlte mich den Frauen dieser Welt verbunden. Ich dachte an all ihre Geschichten.

Mein Freund brachte mich entrückt nach Hause, schaute mich die kommenden Tage kaum an, berührte mich nicht. Ich hatte morgens vor dem Eingriff eine Freundin angerufen, weil ich geahnt habe, dass ich danach allein sein würde. Sie kam und legte zu mir. Sie sprach mit mir, minderte meine Traurigkeit und bestellte Essen mit mir. Die Wochen verstrichen und mein Freund verstand, da er es nun vor sich sah, dass es mir besser ging. Jeden Tag etwas mehr. Es wurde für ihn nun erlebbar, dass ich eine Entscheidung getroffen habe, die unsere Familie nicht vergrößert, aber dennoch stabilisiert, denn wir beide sind nun wieder deutlich konturiert, als die Personen die wir sind, ganz unabhängig von unserer Beziehung zueinander. In ruhigen, behutsamen, manchmal anstrengenden Gesprächen fand ich heraus, dass er davon ausgeht, dass man kein Recht hätte, später nochmal ein gesundes Kind zu bekommen, wenn man einmal einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lässt. Ich frage mich, welcher Fundamentalist da mit mir spricht, merke aber, dass er nur ein wundervoller Vater ist, der sich mit mir zusammen alles zutrauen würde. Meine Gedanken kreisten viel um seine Aussagen. Rückblickend bin ich um jedes dieser Gespräche froh, um jeden Gedanken, den er mit mir teilte, um die Offenheit, mit der er dann doch hin und wieder über seine Trauer sprach. Und ich war erleichtert, dass auch er mir zuhörte, auch wenn er mich nicht immer verstehen konnte. Denn es ging uns nie darum, dem anderen die eigene Überzeugung aufzudrängen, uns gänzlich zu verstehen, sondern vielmehr darum, das Gegenüber als den oder die wahrzunehmen, der sie/er ist: der/die Andere. Das kann Familie auch sein: ein Magnetfeld, in dem man mal mehr, mal weniger symbiotisch immer fremd bleibt und doch liebt und geliebt wird. Und ich liebe diese von mir und uns selbst gestaltete Familie.

Meine Abtreibung war die beste Entscheidung meines Lebens – Lucky (24) Essen

Meine Abtreibung war die beste Entscheidung meines Lebens! Als ich jünger war hatte ich noch eine ziemlich binäre Sicht auf die Welt – für mich gab es Gut und Böse mit wenig Raum dazwischen. Je älter ich wurde, desto mehr hat sich der Raum dazwischen gefüllt und dazu haben insbesondere meine persönlichen Erfahrungen beigetragen. Eine dieser persönlichen Erfahrungen ist meine Abtreibung. Ich machte den Schwangerschaftstest an einem Montag, meine Periode war bereits 10 Tage überfällig – ich machte den Test alleine bei mir zuhause – noch nie habe ich mich so einsam gefühlt. Als ich die feine zweite Linie auf dem Test sah, brach für mich eine Welt zusammen und ich bekam Panik. Ich war völlig überfordert – ich wollte nicht schwanger sein! Für mich war innerhalb einer Millisekunde vollkommen klar, dass ich eine Abtreibung haben würde. Ich wollte es zunächst niemandem erzählen. Ich wollte das mit mir selbst ausmachen, weil ich mich geschämt habe. Ich dachte ich hätte versagt, weil ich schwanger geworden war. Außerdem fühlte es sich an, als würde es wahrer werden, wenn ich anfange darüber zu sprechen.

Ich erzählte es dann aber doch meiner Mutter und dann meinem Freund und dann meinen Schwestern und mit jeder Person, der ich davon erzählte, wurde es leichter. Ich hatte so großes Glück, denn mein gesamtes Umfeld war so unglaublich unterstützend und uneingeschränkt für mich da. Besonders dankbar war ich für die Reaktion meines Freundes, der einfach nur gefragt hat „Was möchtest du?“ und sich damit selbst zurückgenommen hat. Ich weiß wie privilegiert ich bin, weil ich so tolle Reaktionen und so viel Akzeptanz erfahren habe, denn leider leider ist das noch immer nicht selbstverständlich. Auch bei meiner Frauenärztin stieß ich auf Verständnis und musste keine anstrengenden Fragen beantworten. Sie erklärte mir wie der Eingriff ablaufen würde und gab mir Flyer sowie eine Liste mit Ärzt*innen, die Abbrüche durchführen. Das Beratungsgespräch fand bei einem Beratungszentrum der AWO statt und auch hier habe ich mich sehr verstanden gefühlt. Es war nicht angenehm meine Geschichte auszubreiten, aber auch hier musste ich keinem Interview standhalten, sondern wurde in meiner Entscheidung akzeptiert.

Meine Schwester begleitete mich zu meiner Voruntersuchung und mein Freund und meine Mutter waren am Tag des Abbruchs dabei. Mein Abbruch wurde operativ durchgeführt und war nach ca. 15 Minuten vorbei. Als ich aufwachte, weinte ich. Ich weiß nicht warum, ich denke es war einfach alles so surreal. Mein Freund war da und hielt meine Hand. Alles in allem war ich für ca. eine Woche wissentlich schwanger, auch wenn es sich anfühlte wie eine Ewigkeit. Die Entscheidung für meine Abtreibung war die beste Entscheidung, die ich je in meinem Leben getroffen habe und ich habe sie zu keinem Zeitpunkt jemals bereut. Ich bin mir sicher, dass die Möglichkeit eine Abtreibung zu haben, mich davor bewahrt hat, mich selbst zu hassen. Es gibt viele Momente, in denen ich noch immer traurig für mein jüngeres Ich bin, dass es diese Entscheidung treffen musste. Trotzdem bin ich auch unglaublich stolz auf mein jüngeres Ich, dass es dazu in der Lage war. Ich bin stolz, was aus mir geworden ist, weil ich diese Entscheidung getroffen habe. Ich habe durch diese Erfahrung unglaublich viel gelernt und sie hat mich dazu gebracht, die Welt in einem neuen Licht zu sehen.

Mittlerweile gehe ich offen mit meinem Abbruch um und fast alle Menschen, die mich kennen, wissen davon. Mir ist es wichtig, mit dem Tabu zu brechen und damit anderen Menschen Mut zu machen, die vielleicht vor genau dieser Entscheidung stehen und überfordert sind. Ihr seid nicht allein und jede Entscheidung, die ihr für euch ganz persönlich trefft, wird die richtige sein! Ich fühle mich nicht mehr wie eine Versagerin, weil ich schwanger geworden bin, sondern wie eine Gewinnerin, weil ich es geschafft habe, den für mich besten Weg zu gehen. Ich kann meine Abtreibung nun als einen Erfolg meiner persönlichen Entwicklung sehen!

Ich musste aufgrund der Pandemie alleine warten – R. K. (20) Landau in der Pfalz

Im Sommer letzten Jahres wurde ich schwanger, ungewollt. Ich war ziemlich überfordert mit dieser Tatsache, eigentlich war direkt für mich klar, dass ich dieses Kind nicht bekommen will. Trotzdem habe ich mir eine Woche Zeit genommen, darüber nachzudenken, mir über die Situation im Klaren zu werden. Ich habe mit meinem Freund viel darüber geredet, er wollte mich unterstützen, egal, wie ich mich entscheide. Auch meine Mutter unterstützte meine Entscheidung, ihr habe ich erst Bescheid gesagt, als ich mir ganz sicher war, was ich tun will. Zuerst habe ich dann einen Termin bei der Frauenärztin ausgemacht, es wurde sensibel mit mir umgegangen, ganz selbstverständlich über das Thema geredet. Mir wurden Empfehlungen für Abtreibungskliniken gegeben. Ich musste einen Gesprächstermin mit Pro Familia ausmachen, wegen Corona fand dieser per Telefon statt. Ich wurde gefragt, ob ich mich denn schon entschieden hätte. Auf mein Ja wurden nur noch Informationen zu einem Schwangerschaftsabbruch gegeben, welche Methoden es gibt, wo ich einen Termin ausmachen muss, was ich dort mitbringen muss. Der Termin war schnell festgelegt.

Meine Mutter und mein Freund begleiteten mich nach Ludwigshafen zu der Abtreibungsklinik, ich hatte einen chirurgischen Eingriff. Ich musste aufgrund der Pandemie alleine warten und alleine den digitalen Fragebogen ausfüllen, was eigentlich das schlimmste für mich war. Ich wurde durch die Räume der großen Praxis gelotst. Ich war wahrscheinlich die jüngste Patientin vor Ort, soweit ich das beurteilen konnte. Ich wurde zuvor gut aufgeklärt, was mit mir passieren wird. Die größte Angst hatte ich vor meiner ersten Vollnarkose im Leben. Es hat mich ein wenig erschreckt, dass die Eingriffe einer nach dem anderen ohne Pause durchgeführt wurden. In dem Aufwachraum waren mit mir glaube ich fünf Frauen. Ich brauchte lange zum Aufwachen und mir wurde ziemlich schlecht von der Narkose, insgesamt dauerte mein Aufenthalt dort insgesamt ungefähr zwei Stunden. Ich schonte mich die Tage danach. Ich blutete auch noch lange, nur zu Beginn hatte ich allerdings Schmerzen, das legte sich wieder. Es dauerte seine Zeit, bis wieder mein gewohnter Zyklus einsetzte.

Dieses Erlebnis hat mich schon verändert, auch wenn ich zum Glück keine traumatischen Erfahrungen gemacht habe. Ich habe nur meinen zwei engsten Freundinnen davon erzählt und nur mit meinem Freund dieses Thema durch Gespräche aufgearbeitet. Mein Erlebnis des Schwangerschaftsabbruchs hat meine Vorstellung von einem Leben mit Kind erstaunlicherweise stark verstärkt, nur eben zu einem Zeitpunkt, an dem ich dazu bereit bin. Ich bin außerdem nun stark sensibilisiert und habe mich viel mit diesem Thema auseinandergesetzt, welches immer noch sehr viel Aufklärungsarbeit und Veränderung in unserer Gesellschaft benötigt. Pro Choice.

Lasst euch nicht in eurer Entscheidung verunsichern – Victoria (22) Saarbrücken

Ich habe abgetrieben, als ich 15 Jahre jung war, ein paar Wochen vor meinem 16. Geburtstag. Ich habe erst erfahren, dass ich schwanger war, als es schon fast zu spät war für einen Abbruch, das Embryo war schon deutlich erkennbar. Deshalb ging alles recht schnell. Die Wochen vor dieser Erkenntnis ging es mir nicht gut, ich musste mich übergeben, fühlte mich unwohl, habe aber keine Sekunde daran gedacht, dass ich schwanger sein könnte. Erst mein Hausarzt riet mir, eine Gynäkologin aufzusuchen. Es war ein Schock, aber für mich war direkt klar, dass ich nicht mit 16 Mutter werden möchte. Ich wollte mein Abitur machen und danach ins Ausland gehen. Vor dem operativen Abbruch musste ich alleine zu einem Beratungsgespräch, wo sichergestellt werden sollte, dass ich den Abbruch wirklich wollte und nicht dazu gedrängt wurde. Ein Satz, der bei mir hängengeblieben ist, war die Aussage der Frau, die mich beraten hat. Sie sagte zu mir, dass möglicherweise Jahre nach der Abtreibung ein Trauma entstehen könnte und ich erinnere mich, dass ich tatsächlich Jahre danach auch Angst davor hatte. Erst vor kurzem ist mir klar geworden, wie unangebracht diese Aussage war. Ich bereue es keine Sekunde, dass ich mich für den Schwangerschaftsabbruch entschieden habe.

Lasst euch nicht in eurer Entscheidung verunsichern!

Your body, your choice!

Man ließ sie auf der Straße sterben – Adeline (24) Berlin

Meine Familie stammt aus Rumänien. Damals waren Abtreibungen noch strikt untersagt, was jedoch Frauen nicht aufgehalten halt, welche zu haben. Sie fanden illegale Wege. Meine Oma hatte eine — und hatte Glück. Ich weiß nicht, wie es ihr nach dem Eingriff erging, aber sie hat keine bleibenden Schäden davon getragen. Andere Frauen hatten weniger Glück. Diejenigen, bei denen Eingriff zu Komplikationen führte, verwehrte man medizinische Versorgung. Meine Mutter sagte mir, man ließ sie auf der Straße sterben.

Ich finde es erschreckend, dass unser „Abtreibungsrecht“ auf so wackeligen Beinen in Deutschland steht. Es ist mehr Verbot mit Ausnahme, als ein Recht. Es ist beängstigend dass ein paar Worte auf Papier mir verbieten wollen, selbstbestimmt zu entscheiden, was in meinem eigenen Körper vor sich geht. Insbesondere auch noch von Menschen, die körperlich nicht nachempfinden können, was eine ungewollte Schwangerschaft bedeutet.

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